Gut beraten in Sachen Energie
Im Gespräch mit unserem Energieberater Manfred Volz
Interview
Redaktion: Herr Volz, in Zeiten hoher Energiekosten ist eine Verbraucherberatung notwendig - zum einen, um die Energiekosten überschaubar zu halten, zum anderen aber, um Ressourcen zu sparen. Wie unterstützen die Stadtwerke Pforzheim ihre Kunden in dieser Frage?
Volz: Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis haben wir das ebz. Energie- und Bauberatungszentrum, Sandweg 20, in Pforzheim ins Leben gerufen. Dort stehen vier qualifizierte EnergieberaterInnen bereit, um den Kunden der Stadtwerke Pforzheim ihre Fragen zur Heizkostenabrechnung, zur Wahl der Heizung oder zur energetischen Modernisierung ihres Hauses zu beantworten.
Redaktion: Mit welchen Themen kommen die Kunden dort auf Sie zu?
Volz: Zunächst einmal geht es oft um Fragen zur Abrechnung von Strom, Gas, Fernwärme oder zur Heizkostenabrechnung. Einige Kunden kommen, weil ihr Energieverbrauch für sie nicht nachvollziehbar ist. Dann überlegen wir gemeinsam, welche Geräte eventuell einen hohen Energieverbrauch verursachen und/oder ob die Eingruppierung in einen anderen Strom- oder Gastarif für sie günstiger wäre. Bei manchen Kunden rechnet sich eine Zwei-Tarif-Zählung, nämlich dann, wenn abends und nachts ein erheblicher Teil des Stromverbrauchs anfällt.
Redaktion: Und wenn das nicht der Fall ist?
Volz: Der meiste Verbrauch und damit die meisten Kosten fallen bei Privatkunden fürs Heizen an. Also überlegt man, wie die Beheizung und Warmwasserbereitung optimiert werden kann. Insbesondere bei einer Modernisierung lohnt es sich, über Heizungsalternativen nachzudenken. Dazu benötigen wir die individuellen Gegebenheiten: Wie wird das Haus jetzt geheizt? Kann man einfach auf ein Niedertemperatursystem oder eine Wärmepumpe umsteigen? Inwieweit muss und kann man regenerative Energien einbeziehen, zum Beispiel durch Sonnenwärme? Wäre eine Holzheizung eher eine Alternative? Ist ein Lagerraum für die Holzpellets vorhanden? Wir erleben auch manchmal, dass Kunden eine Menge Informationen gesammelt haben, beispielsweise auf Messen und Ausstellungen, und jetzt zu den einzelnen Produkten noch zusätzliche Fragen haben. Auf einer Messe sagt ja jeder, sein System, wäre das Beste. Wir haben den Vorteil, dass wir neutral beraten können, also auf die individuelle Situation des Kunden hin.
Redaktion: Raten Sie auch manchmal den Kunden von einer Lösung ab?
Volz: Ja, natürlich. Ein Kunde brachte die Idee mit, dass eine Direktheizung mit Strom das billigste System wäre. Auf der Messe wurde das als Infrarot- oder Wärmewellenheizung angepriesen, eine flache, an der Wand anzubringende Heizung mit verschiedenen Dekoren. Das mag passen, wenn man die Heizung im Bad anbringt und am Tag nur eine halbe Stunde betreibt, aber im Dauerbetrieb ist das viel zu teuer. Im übrigen ist eine Direktheizung mit Strom nicht energieeffizient, denn da wird aus Wärme Strom und aus Strom wieder Wärme gemacht - mit doppeltem Energieverlust bei der Umwandlung von einer Energieform in die andere. Das ist natürlich nicht zu verwechseln mit einer Strom-Wärmepumpe, die einen Großteil der Energie aus der Umgebung holt und nur einen kleinen Teil Antriebsenergie, also Strom, benötigt.
Redaktion: Beraten Sie auch Kunden mit großen Wohn- und Gewerbeobjekten?
Volz: Ja. Ein 30 Jahre altes Mehrfamilienhaus sollte energetisch saniert werden. Wir haben zusammen mit dem Eigentümer die Optionen besprochen. Er hat sich für den Anschluss an die Fernwärme entschieden und nimmt jetzt das SWP-WärmeContracting in Anspruch. Das heißt, die SWP übernehmen die Kosten für die Wärmeübergabestation, die Wartung, den Betrieb und die Überwachung. Der Besitzer hat keine Investitionskosten und zahlt lediglich einen Leistungs- und Wärmepreis über Abschlagszahlungen.
Redaktion: Welche Beratungsleistungen bieten Sie außerdem an?
Volz: Wir beraten auch in Sachen Energieausweis. Das ist eine Überprüfung des energetischen Ist-Zustandes einer Immobilie. Manchmal ist es dabei auch sinnvoll, das Gebäude mit Themografie-Aufnahmen auf Wärmeverluste anzuschauen. Man sieht dann ganz genau, ob es Kältebrücken wie schlecht abgedichtete Fenster, ein mangelhaft isoliertes Dach oder sonstige fehlende Abdichtungen gibt. Auch in Sachen Thermografie können wir Experten vermitteln. Und schließlich haben wir Listen mit freien Beratern wie Bauingenieuren oder Architekten, die im Rahmen einer Vor-Ort-Beratung das Haus unter die Lupe nehmen. Im übrigen gibt es auch Zuschüsse zur energetischen Sanierung von der bafa, die sehr attraktiv sind. Der Staat hilft auch Modernisierern mittels zinsgünstigen Darlehen der KfW-Förderbank. Unsere Energieberater kennen sich mit diesen Programmen bestens aus und können beraten, welche Mittel es fürs Dämmen und Modernisieren gibt. Immerhin kostet eine Holzpellet-Heizungsanlage 15.000 bis 20.000 Euro - da sind Zuschüsse bis 3.000 Euro sehr willkommen.
Redaktion: Welche Entwicklung auf dem Wärmemarkt ist für Sie interessant?
Volz: Zum einen gibt es viel versprechende Entwicklungen bei der gasbetriebenen Wärmepumpe. Die Haus-Brennstoffzelle auf der Basis von Erdgas ist im Kommen, außerdem wird viel Forschungsarbeit in die solare Wasserstofferzeugung gesteckt. Die Zeiten billiger Energie sind vorbei, aber eine neue Technik wird Stück für Stück die alten Energieträger ersetzen. Wir raten unseren Kunden aber nicht zu teuren Experimenten, sondern bleiben auf dem Boden der Tatsachen. Manchmal bedeutet das eben auch, eine optimierte bewährte Technik zu nutzen - wenn beispielsweise bei einem Stadthaus die räumlichen Gegebenheiten für Solarthermie, Wärmepumpe und/oder Pelletheizung nicht vorhanden sind. Dann bietet sich z.B. die Pforzheimer Fernwärme (Wärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung) an, und mit dieser werden ganz nebenbei auch die Forderungen des neuen Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württemberg erfüllt. Das ist übrigens für jedes Gebäude an der Fernwärmetrasse ein sehr interessantes Thema.
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