Erdgas - Herkunft

Energieträger aus der Tiefe

Erdgas eignet sich wegen seiner Wirtschaftlichkeit, seiner guten Verfügbarkeit und der günstigen Umweltbilanz ideal für viele Anwendungen: Es liefert zuverlässig Wärme in Haushalte, Gewerbebetriebe und Industrie. Erdgas wird in Haushalten zum Kochen, zur Warmwasserbereitung und natürlich zum Heizen eingesetzt. In Bäckereien liefert es Wärme für Heizöfen und Gärautomaten, in der Stahl- und Glasherstellung oder auch bei der Trocknung von Futtermitteln sorgt Erdgas für die notwendigen Temperaturen. In Gas- und Dampfturbinenkraftwerken produziert man mit Erdgas zuverlässig Strom und Wärme. Und nicht zuletzt kann man Erdgas für den Antrieb von Kraftfahrzeugen nutzen: Erdgas-Autos fahren sauberer und günstiger als Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor.


Woraus besteht Erdgas?

Erdgas ist chemisch gesehen Methan (Formel CH4) mit Beimischungen anderer Kohlenwasserstoffe wie Ethan und Propan, verschiedener Edelgase und weiterer Inhaltsstoffe. Verwertbar ist vor allem das Methan - deshalb ist das geförderte Erdgas umso wertvoller, je mehr Methan es enthält. Erdgas mit hohem Methananteil wird als E-Gruppe bezeichnet (früher H-Erdgas für high), solches mit weniger Methan gehört zur LL-Gruppe (früher L für low). Erdgas wird oft gemeinsam mit Erdöl gefunden und kommt auch als Nassgas mit einem erhöhten Anteil an Kohlenwasserstoffen vor. Diese Kohlenwasserstoffe werden gesondert aufgefangen, teilweise als Petroleum vermarktet und zu Benzin weiterverarbeitet. Die Unterscheidung zwischen Sauergas, Leangas und Süßgas bezieht sich hingegen auf einen größeren oder kleineren Anteil an Schwefelwasserstoff. Um möglichst reines, gut verwertbares Erdgas zu erhalten, werden es nach der Förderung die Verunreinigungen nach und nach ausgefiltert. Zum Schluss bleibt fast reines Methan übrig.

Erdgas ist ein Gasgemisch

Hauptbestandteil - Methan

Wie entsteht Erdgas?

Ähnlich wie Erdöl entsteht Erdgas aus organischen Substanzen, die auf den Grund der damaligen Ozeane abgesunken sind und dort unter Luftabschluss, erhöhtem Druck und hohen Temperaturen durch anaerobe Bakterien umgewandelt wurden. Mit verschiedenen Messmethoden, darunter als wichtigste die seismische Messung mithilfe von Schallwellen, werden Erdgasfelder gefunden. Probebohrungen bis zu 7000 Metern Tiefe geben Aufschluss darüber, ob die Förderung sich lohnt. Danach wird mit Tiefbohrtechnik ein Bohrloch bis in das Erdgasfeld verbracht und mit der Förderung begonnen. Auf See ist die Förderung noch kostspieliger: Die norwegische Statfjord-Bohrinsel beispielsweise hat 176 Meter hohe Betonbeine, eine Gesamthöhe von 290 Metern, eine Standfläche von 13.000 Quadratmetern und 835.000 Tonnen Gewicht. Sie fördert täglich 30.000 Tonnen Rohöl und 6,4 Millionen Kubikmeter Erdgas.

Faktoren für die Entstehung

  • Organische Substanzen
  • Luftabschluss
  • erhöhter Druck
  • hohe Temeraturen
  • anaerobe Bakterien

Wie wird Erdgas transportiert?

Das Erdgas, das im Meer gefördert wurde, wird auf Schiffen zu den Umschlagplätzen transportiert. Dafür kühlt man es auf -162 °C herunter. Dieses LNG, Liquefied Natural Gas, beansprucht so nur noch ein Sechshundertstel seines Ursprungsvolumens. Von den Häfen aus zieht sich ein Netz von Pipelines durch ganz Europa. Um Gas direkt von den russischen Förderorten nach Westeuropa zu transportieren, soll bis 2012 die Nordeuropäische Gasleitung durch die Ostsee verlegt werden.

Von den großen Pipelines gehen mittlere Versorgungsleitungen ab, die wiederum zu den kleinen innerörtlichen Leitungen führen - ähnlich wie beim Stromnetz. Der Druck, mit dem das Gas durch die Leitungen gepresst wird, wird über Reduzierungsanlagen auf Mittel- und Niederdruck vermindert. Am Hausanschluss beträgt der Druck dann noch 100 Millibar - durchs Hochdrucknetz wird das Gas teilweise mit mehr als 50 bar geschickt.

Transport per Schiff oder Pipeline

Wie wird Erdgas gespeichert?

Erdgas wird Jahr für Jahr und Tag für Tag gefördert, aber vor allem im Winter benötigt. Deshalb existieren in Deutschland Erdgasspeicher, in denen man den kostbaren Energieträger aufbewahren kann. Dafür eignen sich vor allem unterirdische Hohlräume im Gestein oder ehemalige Salzstöcke. Das Gas wird hineingepresst und wieder entnommen, sobald man es benötigt.

Erdgas auf Vorrat

Ist die Erdgasversorgung sicher?

Die Erdgas-Ressourcen befinden sich vor allem in Russland, im Nahen Osten, im Arabischen Golf, in China, Nordamerika und in Afrika. In Europa findet man Erdgas vor allem in Norwegen, den Niederlanden und Italien, in kleineren Mengen aber auch in Deutschland und Österreich. Als sicher gewinnbar gelten mehr als 181 Billionen Kubikmeter Erdgas weltweit, das würde bei heutigem Verbrauch noch 62 Jahre reichen. Eine Ressource riesigen Ausmaßes ruht auf dem Meeresboden: Gashydrat, eine Gas-Wasser-Verbindung, bedeckt den Boden einiger Weltmeere. Allerdings ist dieses Methanhydrat heute noch nicht förderbar. Trotzdem: Alles in allem sieht es mit der Verfügbarkeit von Erdgas besser aus als beim Erdöl. Eine weitere Option liegt in so genanntem Biogas, Methan aus Faulprozessen organischer Stoffe. Es wird vor allem in der Landwirtschaft gewonnen. Kühe erzeugen besonders viel Methan: Durch ihren Verdauungsprozess setzt jede Kuh jährlich 100 Kilogramm davon frei.

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