Strompreis 2008: Der Staat kassiert mit

Nur 40 Prozent für Erzeugung, Vertrieb und Service

Butter, Milch, Brötchen und Heizöl: Die Lebenshaltungskosten stiegen in Deutschland Anfang des Jahres um 2,8 Prozent an. Gerade im Energiebereich schauen Verbraucher genau hin: Wären beispielsweise günstigere Strompreise machbar? Doch eine nähere Betrachtung der Zusammensetzung des Strompreises zeigt, dass ein Großteil der Preisgestaltung nicht in der Hand des Energieversorgers liegt.


Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die knapp 22 Cent pro Kilowattstunde für den Goldstadtstrom Classic verbleiben nicht in der Hand der Stadtwerke. Die Erlöse aus der Stromrechnung werden dreigeteilt: Knapp 9 Cent gehen als Steuern und Abgaben an den Staat und die Stadt. 4,5 Cent werden als Netznutzungsentgelte an den Netzbetreiber abgeführt. Davon bezahlt dieser die Instandhaltungs- und Ausbaukosten für das Stromnetz. Etwa 9 Cent verbleiben bei den Stadtwerken. Davon muss die Energieerzeugung und -beschaffung bezahlt werden. Auch der Vertrieb und der Kundenservice mit Wartungsdiensten und allen anderen personalintensiven Maßnahmen bezieht sein Geld aus diesem Topf.

So teilen sich 22 Cent für Goldstadtstrom Classic auf:

Preisbestandteil

Verwendung

Prozent vom Brutto-Strompreis

Etwa 6 Cent pro kWh

Netznutzungsentgelt

26%

Etwa 7 Cent pro kWh

Energie, Vertrieb, Service

34%

Etwa 2 Cent pro kWh

Konzessionsabgabe

9%

Etwa 2 Cent pro kWh

Stromsteuer

9%

Etwa 1 Cent pro kWh

EEG

6%

Etwa 0,2 Cent pro kWh

KWKG

1%

Etwa 3,5 Cent

Umsatzsteuer

16%

Ein Drittel der Stromerlöse werden an den Staat und die Stadt abgegeben.

Was passiert mit den Steuern und Abgaben?

Knapp 2 Cent gehen als Konzessionsabgabe an die Stadt Pforzheim. Die Kommune erhält diese Abgabe als Gegenleistung für die Nutzung der öffentlichen Straßen und Wege, also den öffentlichen Raum, den die Netzbetreiber für den Bau und Betrieb der Stromleitungen benötigen. Gut 1,2 Cent ist als Pflichtabgabe aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) zu zahlen. Diese Erlöse sollen zum Ausbau der Stromerzeugung aus Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Geothermie und Solarenergie sowie zur effektiven Verwendung der Energieträger durch Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden. Die Stromsteuer, eine der Ökosteuern, besteuert den Stromverbrauch, ähnlich wie die Steuer auf Benzin. Dafür erhält der Bund knapp 2 Cent pro Kilowattstunde. Auf all diese Steuern wird noch eine Steuer obendrauf gesetzt: Die Umsatzsteuer besteuert den Strompreis mit 19 Prozent. 3,5 Cent Umsatzsteuer werden von jeder Kilowattstunde an den Staat abgeführt.

Was passiert mit dem SWP-Anteil?

Etwa 9 Cent der Erlöse gehen an die SWP. Davon wird der Brennstoff für die Kraftwerke bezahlt, die Löhne und Gehälter der 350 SWP-Angestellten, die Aufwendungen in die Infrastruktur, sämtliche Sachkosten, die Betriebskosten für SWP-Gebäude und Fahrzeuge und jeder Bogen Papier. Die Stadtwerke Pforzheim setzen alles daran, marktgerechte Preise zu kalkulieren und Strom kostensparend zu erzeugen. Preistreibend haben sich aber in den vergangenen Jahren nicht die Preisbestandteile der SWP ausgewirkt: Der Staatsanteil der Stromrechnung lag 2007 fast doppelt so hoch wie zu Beginn der Liberalisierung des Strommarkts im Jahr 1998. Der reine Netto-Strompreis liegt dagegen noch immer 5 Prozent niedriger als zu diesem Zeitpunkt.

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