Bürgermeister Roger Heidt im Interview mit den SWP

Energie- und Trinkwasserversorgung: Pforzheims Erster Bürgermeister im Interview mit SWP

SWP: Herr Bürgermeister Heidt, als Aufsichtsratsvorsitzender der SWP sind Sie maßgeblich an der Weiterentwicklung der Energie- und Trinkwasserversorgung in Pforzheim beteiligt. Sind die SWP gut aufgestellt für eine sichere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger Pforzheims mit netzgebundenen Energieprodukten und Trinkwasser?

Roger Heidt: Auf jeden Fall! Wir sichern die Trinkwasserversorgung durch einen großen Anteil aus eigenen Brunnen, versorgen unsere Bürgerinnen und Bürger mit Strom und Fernwärme aus dem eigenen Heizkraft- werk und haben eigene Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft, Solarenergie und Biomasse. Wir schaffen es, 90 Prozent der Haushalte mit atomstromfreier Energie zu versorgen und bieten Stromprodukte aus 100 Prozent Wasserkraft an. Das alles sind wichtige Schritte auf dem Weg, die Energie- wende durch- und umzusetzen. Dafür investieren und arbeiten wir.

SWP: Wie sichern Stadt und Stadtwerke in Zukunft die Versorgung ihrer Bürger mit sauberem, bezahlbarem Trinkwasser?

Roger Heidt: Wir haben jetzt 40 Prozent Eigenwasser und 60 Prozent Bodenseewasser und wollen das Verhältnis durch die Sicherung und den Ausbau von Trinkwasserbrunnen umdrehen. Kritisch sind dabei große Bauvorhaben wie der Ausbau der A8, weil in der Bauzeit Verunreinigungen des Bodens nicht auszuschließen sind. Für den Bereich Enzauenpark erwarten wir dagegen eine Entspannung, wenn das Stadion "Holzhof" abgebaut und die Fläche renaturiert wird. Hier soll dann ein Energieerlebnispfad entstehen, der die Energiewende sichtbar und erfahrbar macht. Zusammen mit dem Panometer im ehemaligen Glockengasbehälter entsteht an diesem Standort eine echte touristische Attraktion rund um Energie und Wasser. Es ist meine Überzeugung, dass wir die Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft mitnehmen müssen, indem wir den Wert der natürlichen Ressourcen sichtbar machen.

SWP: Mit Hilfe der erneuerbaren Energien soll nach politischem Willen der Ausstieg aus der Kernkraft und die Energiewende geschafft werden. Wo steht Pforzheim in diesem Prozess?

Roger Heidt: Wir haben schon eine Menge bewegt. Eine neue Spitzenlastkesselanlage für 5 Millionen Euro im Heizkraftwerk trifft Vorsorge für die Fernwärmeversorgung in den kältesten Wintermonaten, während die Sanierung und Durchlässigkeit des Wasserkraftwerks Auerbrücke für Fische diesen Standort direkt in Pforzheim sichert. Wenn wir auf unser Energieberatungszentrum mit 5.000 Besuchern und 350 Einzelberatungen im Jahr 2012 schauen, wird klar, dass in Sachen Energie ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat: Es geht nicht mehr um möglichst viel, sondern um möglichst intelligente Energie. Wir untersuchen die Wirtschaftlichkeit eines weiteren Wasserkraftwerkes an der Enz und messen das Windaufkommen in Engelsbrand, um dort möglicherweise ein Windkraftprojekt zu starten - wenn die Bürger dies wünschen. Drei Fragen müssen jedoch geklärt werden: Wie können wir die erzeugte Energie vernünftig speichern, transportieren und verteilen?

SWP: Die SWP schreiben sich den Klimaschutz auf die Fahnen und sind dank Biomasse-HKW und hervorragender Filtertechnik im HKW schon gut unterwegs. Was können die SWP und die Stadt Pforzheim aus eigener Kraft schaffen und wo sind größere Zusammenhänge zu berücksichtigen?

Roger Heidt: Gerade am Heizkraftwerk sieht man, dass die Rahmenbedingungen für den ökologischen Umbau oft nicht stimmen. Die bessere, weil effiziente, klimafreundliche Gasturbinentechnik wird so wenig gefördert, dass wir uns aus Kostengründen für den Kauf einer Kesselanlage zur reinen Wärmeerzeugung entscheiden mussten. Ein weiterer Punkt, den wir nicht beeinflussen können, ist beispielsweise die EEG-Umlage, die den Strompreis in die Höhe treibt. Außerdem müssen wir uns klar machen, dass Energie keine regionale oder nationale, sondern eine EU-weite Thematik ist. Die Energiewende ist momentan nur umsetzbar, wenn wir 20 bis 25 Prozent Strom aus dem Ausland importieren.

SWP: Klimaschutz geht jeden an. Was wünschen Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern in Richtung CO2-Vermeidung, damit Pforzheim eine noch lebens- und liebenswertere Stadt wird?

Roger Heidt: Ich habe innerhalb des Masterplanprozesses der Stadt Pforzheim unter anderem das Thema „Mobilität“ betreut. Wir planen jetzt beispielsweise schnelle Metrobusse mit WLAN-Netz, um berufstätigen Pendlern den öffentlichen Nahverkehr schmackhaft zu machen. Auch die Elektromobilität ist ein wichtiges Anliegen. Pforzheim war bisher wegen seiner Topografie fürs Radfahren eher ungeeignet - das ist dank Pedelec und E-Bike ganz anders geworden. Mobilität ist momentan das Gebiet, auf dem die Verbraucher am meisten mitgestalten können, wenn sie sich auf alternative Fortbewegungsmöglichkeiten einlassen. Die Forschung und Entwicklung gerade am Standort Pforzheim mit dem Studiengang für Transportation Design gibt einer alternativen und nachhaltigen Mobilität neuen Schub. Ich schaue da sehr zuversichtlich in die Zukunft.

SWP: Vielen Dank für das Gespräch!

Robin Saalmüller, Leiter Presse- / Öffentlichkeitsarbeit
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