Aktiv für die Umwelt: Die SWP baut eine Fischtreppe für mehr Lebensraum im Fluss.

Die neue Fischaufstiegshilfe am Flusskraftwerk Auerbrücke wurde von den SWP im Januar 2016 eingeweiht.

Die neue Fischaufstiegshilfe am Flusskraftwerk Auerbrücke

Mit dem Bau der Fischaufstiegshilfe stellen die SWP am Kraftwerksstandort die vom Gesetzgeber geforderte ökologische Durchgängigkeit für Strömer, Nase, Barbe und viele weitere Fischarten der Enz her. Fische können nun den Höhenunterschied von 5,20 Meter im Bereich des Krafthauses mithilfe von 45 hintereinander liegenden Vertical-Slot-Becken überwinden und direkt von der Enz ohne einen Umweg über Nagold und Metzelgraben flussaufwärts wandern.

Fischauf- und abstiegshilfe

Die Baumaßnahme umfasste eine Vielzahl von Einzelprojekten: Neben dem Bau der Fischaufstiegshilfe verwirklichten die SWP weitere Hilfen für die Flussbewohner. Ein neuer Rechen, flach geneigt, stellt mit kleinerer Stabweite und größerer Fläche die Fischschutzanforderungen sicher. Der neue Fischpass ermöglicht zudem nun den Aufstieg von Fischen flussaufwärts und die ebenfalls neu eingerichtete Abstiegshilfe sorgt dafür, dass Fische auch sicher flussabwärts wandern können. Außerdem erhält die Ausleitungsstrecke in der Nagold eine höhere Mindestwasserdotation. Dort wurde die Wasserführung auf ca. 2.5 m3/s dauerhaft erhöht, es wurden Steine zur Lenkung der Strömung eingebracht und damit für eine vielseitige und lebendige Gestaltung des Fließgewässers und damit ein gutes Habitat für Fische aber auch für Vögel und Kleinlebewesen geschaffen.

Nachhaltigkeit mit den SWP

Die Stadtwerke Pforzheim tragen mit dem Bau der Fischaufstiegshilfe zur Verbesserung der ökologischen Situation der Enz im Stadtgebiet Pforzheim bei und setzen sich mit ihrem Flusskraftwerk als regionaler Energieversorger weiterhin im Sinne des Klimaschutzes und der Luftreinhaltung nachhaltig ein.

Baustelle und Bauarbeiten - Bis ins Kleinste ausgetüftelt

Die Baugrube zwischen Krafthaus, Parkhotel und Auerbrücke gründete etwa 8 Meter tief und wurde mit Trägerbohlverbau hergestellt. Zu den umfangreichen Arbeiten gehörten die Neuordnung vorhandener und die Verlegung neuer Leitungen. Unter anderem wurden eine Wasserversorgungsleitung, ein Regenwasserkanal, eine 110kv- Kabeltrasse und Breitband-Kommunikationskabel neu verlegt.

Im Rahmen der umfangreichen Baumaßnahme veranlassten die SWP-Kraftwerksexperten eine Revision der beiden Kaplan-Turbinen, ertüchtigten die Generatoren und installierten eine komplett neue automatische Steuerung für Turbinen und Wehranlage, die mit der zentralen SWP Leitwarte verknüpft ist. Durch diese Generalüberholung und Automatisierung wurde das Flusskraftwerk optimiert und kann jetzt das Wasserdargebot besser nutzen. Gerade die automatische Steuerung bewirkt einen höheren Maximalertrag in der Stromerzeugung, weil die Turbinen jederzeit angefahren werden können. Eine Unterwassersonde ermittelt die jeweilige Fallhöhe des Wassers, sodass die Turbinen-Laufräder optimal auf die Fallhöhe abgestimmt werden. Automatisch initiierte Spülprogramme reinigen die Turbinen regelmäßig von Anhaftungen, sodass sie optimal und verschleißarm laufen. Und sogar das Profil der Rechenanlage wurde verändert, sodass das die anschwimmenden Fische den Rechen nicht passieren können und die Verletzungsgefahr minimiert wird.

Kraftwerksanlage erzeugt mehr Strom

Durch die technische Optimierung des Flusskraftwerks wird zudem eine Leistungssteigerung um etwa 10 % erreicht: „Damit erzeugen wir voraussichtlich ab jetzt etwa 3,3 Mio. kWh Strom im Jahr“, sagt SWP Geschäftsführer Thomas Engelhard. „Mehr emissionsfreier Strom, das ist ein Beitrag der SWP zur Energiewende und zur Lebensqualität in Pforzheim. Auf diese Weise dient die neu gestaltete Anlage der Flussökologie und gleichzeitig den Menschen in der Stadt.“

Kennzahlen, technische Daten und Gesamtinvestition

Technische Daten der Baumaßnahme
Aushub900 m3
Beton560 m3
Stahl120 Tonnen
Länge der Verbauträger280 Meter
Kennzahlen der Fischaufstiegshilfe
Anzahl der Becken45
Wasserspiegeldifferenz zw. den Becken0,12 Meter
Beckenbreite1,90 Meter
Beckenlänge (jedes Becken)1,30 Meter
Schlitzbreite0,25 Meter
Gesamtlänge86 Meter
Durchfluss140 l/sec
Höhenunterschied insgesamt5,20 Meter
Minimale Wassertiefe0,50 Meter
Kennzahlen zum Flusskraftwerk
Inbetriebnahme1985
2 Kaplan-Rohrturbinen mit je 500 kW Leistung1 MW
Fallhöhe des Flusses5,70 Meter
Bisherige Stromerzeugung3 Mio. kWh/Jahr
Prognostizierte Stromerzeugung ab 20163,3 Mio kWh/Jahr
(jährliche Schwankungen bedingt durch Wasserstand)

Gesamtinvestition für alle die Anlage betreffenden Maßnahmen:

Etwa 2,7 Mio. Euro wurden investiert für:

  • Fischauf- und abstiegshilfe
  • Revision der Turbinen
  • Ertüchtigung der Generatoren
  • Automatisierung der Steuerung
  • Modernisierung der Rechenanlage

Diese Investition dient der Erfüllung aller notwendigen Auflagen zum Weiterbetrieb und damit der Genehmigung zum Weiterbetrieb der Anlage für weitere 30 Jahre.

Ökologisches Gleichgewicht - Viele Fische für lebendige Flüsse

Die Enz wird bei Pforzheim von vielen Fischarten bewohnt. Hier finden Hechte und Zander, Forellen und Karpfenfische wie Döbel, Rotauge und Rotfeder einen geeigneten Lebensraum. Weniger bekannt, aber nicht weniger wichtig für das ökologische Gleichgewicht sind die Fischarten Äsche, Nase und Barbe.

Die ÄscheDie Äsche (Thymallus thymallus ), max. 60cm
Die Äsche kommt in kleineren, sauberen und strukturreichen Flüssen mit Kies und Sandgrund vor. Sie ist die Charakter- oder Leitart der sogenannten Äschenregion der Fließgewässer.

 

Die BarbeDie Barbe (Barbus barbus), max. 90cm
Als Mittelstreckenwanderer sind Barben besonders durch die Zerstückelung ihres Lebensraumes betroffen. Sie unternehmen ausgedehnte Wanderungen, um geeignete Laichplätze aufzusuchen.


Die NaseDie Nase (Chondrostoma nasus), max. 50cm
Die Nase lebt in schnell fließenden Gewässern und zieht in Schwärmen flussaufwärts, um zu laichen. Die Nase ist eine Leitart der Raab.

 

Wie funktioniert eine Fischaufstiegshilfe?

FAH - Fischaufstiegshilfe in Vertical-Slot-Bauweise

Flussaufwärts wandernde Fische können Wanderhindernisse wie natürliche Abstürze oder Wehrschwellen an Kraftwerken mittels einer Fischaufstiegshilfe, auch Fischtreppe genannt, überwinden. Die Auffindbarkeit der sogenannten Lockströmung zum Einstieg der FAH muss an geeigneter Stelle angeordnet sein, damit die wanderwilligen Fische diese auch finden und den Aufstieg über die treppenartig aneinandergereihten Becken schaffen. Von Becken zu Becken überwinden die Fische einen nur geringen Höhenunterschied, der im Fall der Fischtreppe Auerbrücke 12 cm beträgt. Diese Höhendifferenz ist klein genug um die Strömungsgeschwindigkeit im Spalt so klein zu halten, dass auch schwimmschwache Fische sie überwinden können. In den Becken gibt es zudem strömungsberuhigte Bereiche, in denen sich die Fische während Ihrem Aufstieg erholen können.

Fischwanderungen und Durchgängigkeit

Fische und Kleinlebewesen führen Wanderungen im Gewässersystem durch, um sich zu ernähren, sich fortzupflanzen und sich vor Feinden zu schützen. Die Vernetzung der verschiedenen Lebensräume in den Gewässern ist entscheidend, weil Isolation und Fragmentierung der Habitate einen Rückgang bis hin zu Verlust von Fischpopulationen nach sich ziehen können. Die Durchgängigkeit der Gewässer für die Aqua-Fauna also die Wasser-Lebewesen - mit dem Ziel der unterbrechungsfreien Verbindung von Lebensräumen - stellt somit eine wesentliche Voraussetzung für stabile Fischpopulationen dar. Sie ist für den Erhalt des guten ökologischen Zustandes eines Gewässers von höchster Bedeutung. Dies ist in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) so verankert.

Warum eine Fischaufstiegshilfe?

Die neue Fischaufstiegshilfe Auerbrücke samt Ausleitungsstrecke Nagold mit Überwindung des Bleichwehres verknüpft die notwendigen und ursprünglichen Lebensräume für Fische. Deren Auffind- und Passierbarkeit ermöglicht z.B. der Barbe wieder ihre langen Strecken zu schwimmen, um geeignete Laichplätze zu finden. Die Barbe zum Beispiel gilt laut “Fauna Flora Habitat Richtlinien” als schützenswert. Mit den Richtlinien sollen die natürlichen Lebensräume sowie die Tier- und Pflanzenarten von europäischer Bedeutung durch die Mitgliedsstaaten geschützt werden.

Fischtreppe - Ökologische Durchgängigkeit

Fischtreppe: Ökologische Durchgängigkeit

Ökologische Durchgängigkeit

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Fischmonitoring

Fischmonitoring

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SWP Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co. KG, Sandweg 22, 75179 Pforzheim | Handelsregister Mannheim, HRA 50 36 09 | USt Id.Nr.: DE 214129630
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